Hobel und Pinsel für eine klassische Nassrasur

Tipps für die perfekte Nassrasur - Eine Anleitung

Veröffentlicht in Männerpflege

Die Nassrasur ist für viele lästige Pflicht, für mich ist sie bewusste Entspannung. Weil ich die Wuchsrichtung beachte, den Schaum mit dem Pinsel aufschlage, einige hilfreiche Techniken kenne und mir genügend Zeit für die Vorbereitung und anschließende Pflege nehme, macht das Rasieren Spaß und klappt ohne Rasurbrand. Hier findest Du eine Anleitung für die Nassrasur mit vielen Tipps und Erfahrungen – nicht nur für Anfänger.

Tipps zur Nassrasur – Seiteninhalt:

Warum Nassrasur ein relevantes Thema ist

Das Thema Nassrasur ist ja grundsätzlich etwas völlig Alltägliches, bei dem Du vielleicht denkst, "Öh ja, rasieren mach' ich morgens jeden Tag, so wie mein Vater, mein Opa, mein Nachbar … na und?" Wenn man sich jedoch etwas gründlicher damit beschäftigt, was man da tut und – vor allem – wie man sich rasiert, wird schnell klar, dass es so trivial nicht ist und dass sich eine Menge Menschen Fragen stellen wie:

  • Rasurbrand – Was mache ich falsch, wenn die Haut nach der Rasur brennt?
  • Wie rasiere ich am besten gegen den Strich?
  • Wie rasiere ich mich täglich bei empfindlicher Haut?
  • Was ist besser: Rasiercreme, Rasierseife oder Rasiergel? Und was spricht eigentlich gegen Dosenschaum?
  • Wie sieht die optimale Pflege nach der Rasur aus?

… und das ist nur ein sehr kleiner Teil der Fragen, auf die man unweigerlich stößt, wenn man über Foren oder spezialisierte Webseiten etwas tiefer in die Materie eintaucht. Ich habe dabei vor allem eins gelernt: Man kann sehr viel bewusst richtig machen beim Rasieren – und eine ganze Menge unbewusst falsch. Und weil sich mangelhafte Technik oder Unachtsamkeiten bei der Nassrasur meist rächen und als Cuts, Rötungen, Rasurbrand oder Rasurpickel sichtbar werden, kann eine schlechte Rasur einem durchaus den Tag vermiesen.

Kommt das häufiger vor, solltest Du Dich näher mit Deinen Rasierutensilien und vor allem Deiner Rasurtechnik beschäftigen. In den meisten Fällen ist es nicht die oft zitierte "super-empfindliche Haut" in Kombination mit "extrem hartem Barthaar", das für eine schwierige Rasur sorgt – sondern zu wenig Vorbereitung oder fehlendes Wissen über die Wuchsrichtung der Barthaare und die in Folge mangelhafte Technik beim Rasieren. Beides, die gründliche Vorbereitung der Haut und überlegtes Führen des Rasierers, ist für eine gute Rasur essentiell.

Basics der guten Nassrasur

Eine Rasur ist in meinen Augen dann gut, wenn sie ohne Hautreizungen verläuft und ein optisch gleichmäßig gründliches Ergebnis liefert. Am Wichtigsten ist es, sich mit den aufeinander aufbauenden Schritten einer Nassrasur vertraut zu machen und sich zumindest für den Anfang an den klassischen Ablauf zu halten. Die Umsetzung im Detail kann dabei je nach Hauttyp, Technik und Vorlieben natürlich verschieden ausfallen und später jederzeit individuell angepasst werden.

Der klassische Ablauf einer Nassrasur in vier Schritten:

  1. Vorbereitung der Haut: Einweichen und Pre Shave
  2. Das Einschäumen des Gesichts mit Rasierseife oder Rasiercreme
  3. Die sanfte Nassrasur in ein bis drei Durchgängen
  4. Pflege und After Shave

Schritt 1: Vorbereitung der Rasur und Pre Shave

Warmes Wasser zum Einweichen

Für eine angenehme Nassrasur ist entscheidend, dass Du Deine Haut gut vorbereitest. Viele mögen es, sich direkt nach dem Duschen zu rasieren, dann sind die Poren geöffnet und das Haar ist bereits etwas aufgeweicht. Manche Gesichtshaut verträgt kaltes Wasser im Vorfeld der Rasur jedoch besser, weil die Haut sonst zu stark aufquillt und somit empfindlicher und reizanfälliger für die Klinge wird. Mein Rat: Probiere es einfach aus, experimentiere mit den Varianten und Du kommst schnell zu der für Dich optimalen Routine.

Unabhängig davon, ob Deine Haut besser warmes, heißes oder kaltes Wasser verträgt, sollte Dein Gesicht sauber, also frei von Fett oder Creme sein, weil sonst das Einweichen erschwert wird. Ein mildes Waschgel erledigt den Job. Wer Zeit und Muße hat und es wie ein klassischer Barbier machen möchte, legt sich vor dem Pre Shave ein Handtuch aufs Gesicht, das zuvor kurz in heißes Wasser getaucht und anschließend ausgewrungen wurde.

Pre Shave zur weiteren Vorbereitung der Nassrasur

Manche merken keinen Vorteil, ich aber habe gute Erfahrungen damit gemacht, nach dem Waschen des Gesichts ein Pre Shave aufzutragen. Das gibt es als Creme oder Öl, welche das Haar noch etwas intensiver einweichen können und vor allem dann hilfreich sind, wenn man nicht kurz vorher geduscht hat. Zusätzlich pflegt es die Haut, macht sie geschmeidig und damit im besten Fall strapazierfähiger, der Rasierer kann besser gleiten. Gerade als Anfänger der Nassrasur kannst Du von dem Effekt profitieren, sollte der Schaum im nächsten Schritt nicht ganz optimal gelingen.

Schritt 2: Schaum erzeugen mit einem Rasierpinsel und Einschäumen des Gesichts

Jetzt kommt ein Schritt, dem Du besondere Beachtung schenken solltest: Das Aufschlagen des Schaumes – denn sahniger, gleitfähiger Schaum ist für mich neben einer scharfen Klinge das A und O einer gelungenen Rasur. Mit fertigem Schaum aus der Dose bin ich nie glücklich geworden, die Konsistenz ist zu trocken, die Klinge kann nicht optimal gleiten und das verleitet dazu, fester aufzudrücken. Etwas besser geeignet scheint mir Rasiergel, wobei der daraus erzeugte Schaum ebenfalls nie die für mich optimale Konsistenz erreicht. Und mit optimal meine ich schlotzigen, in Richtung Joghurtkonsistenz gehenden Schaum, den ich bevorzugt aus Rasierseife gewinne, oder – praktischer für unterwegs – aus Rasiercreme aus der Tube.

Richtiges Aufschäumen für perfekten Rasierschaum, der die Haut schützt und die Klinge gleiten lässt

Das Aufschlagen funktioniert bei Rasierseifen wie folgt: 20 bis 30 Sekunden lang kreisend mit einem Rasierpinsel über die Seife gehen und diese in die Pinselhaare "einarbeiten". Anschließend durch kreisende – je nach Seife auch mal leicht stampfende – Bewegungen die Seife in einer kleinen Schale oder direkt im Gesicht zur gewünschten Konsistenz aufschäumen bzw. in den Bart einmassieren. Läuft der Schaum fast flüssig an Deinem Gesicht herunter, einfach etwas mehr Seife aufnehmen; trocknet der Schaum an den Rändern ein oder wird pappig, mit dem Rasierpinsel etwas Wasser hinzugeben. Die optimale Konsistenz ist reine Übungssache, doch mit den richtigen Produkten geht es fast von allein (ich gebe weiter unten noch ein paar Tipps dazu).

Wunderbar unkompliziert ist Rasiercreme: Einfach einen ca. 3cm langen Strang direkt ins Gesicht, auf den Rasierpinsel oder auch hier in eine Schale geben und mit dem Pinsel in kreisenden Bewegungen zu Schaum schlagen und anschließend in die Barthaare einarbeiten – vorzugsweise gegen den Strich. Den fertigen Schaum lässt Du im Gesicht "arbeiten": Je nach Intensität der Pre-Shave-Vorbereitung dauert es zwei bis drei Minuten, die Du die Haare aufquellen lassen solltest, bevor Du mit der Rasur startest.

Schritt 3: Die Rasur in ein bis drei Durchgängen

Erster Durchgang: Mit dem Strich rasieren

Egal, ob Du einen modernen Systemrasierer bevorzugst oder lieber mit einem klassischen Rasierhobel arbeitest (das wäre meine Wahl, aber dazu an anderer Stelle mehr): Die Rasur wird nur dann optimal verlaufen, wenn Du die Wuchsrichtung Deiner Barthaare kennst. Die klassische Nassrasur erfolgt in ein bis drei Durchgängen, wobei der erste Durchgang immer mit dem Strich, also in Wuchsrichtung beginnen sollte.

Die eigene Bartwuchsrichtung kennen und eine Karte erstellen

Die Wuchsrichtung der Barthaare ist bei jedem Menschen unterschiedlich – und jemand mit gleichmäßiger Wuchsrichtung wird viel sorgloser drauflos rasieren können als jemand, dessen Barthaare z.B. am Hals kreuz und quer im Wirbel durcheinander wachsen. Hilfreich ist es in jedem Fall, sich vor der Rasur die individuelle Wuchsrichtung genau anzugucken und ggf. auf einem Blatt Papier zu skizzieren, an welcher Stelle die Haare in welche Richtung wachsen. Mit dieser Topographie Deines Bartes ist die Ermittlung der jeweiligen Rasurrichtung für das spätere Rasieren dann sehr einfach – und das gilt nicht nur für die Rasur mit einer oder mehreren Klingen, sondern auch für Elektrorasierer (die ebenfalls mehr Haare erwischen, wenn man sie gegen die Wuchsrichtung führt).

Anbei eine Bartwuchs-Karte als Vorlage zum Download, in der Du Deine individuelle Haarwuchsrichtung mit Pfeilchen einzeichnen kannst. Eine gute Anleitung mit weiteren Illustrationen und ein paar Beispielen, wie so eine Karte für die Wuchsrichtung aussehen kann, findest Du in der "Shave Library".

Face Shaving Map für die Nassrasur (c) by http://www.pbjsite.com/shave/whiskarmap/

Im Familienalbum klebt ein Foto meines Vaters, auf dem er beim Rasieren lustige Grimassen macht, um die Haut an den Stellen zu straffen, die gerade rasiert werden. Die Technik der Hautstraffung ist bewährt und ich mache das ähnlich: Am Hals nehme ich zusätzlich meine freie Hand zur Hilfe und spanne die Haut gegen die Wuchsrichtung, um auch die flacher wachsenden Haare aufzurichten und dem Rasierhobel eine glatte Fläche zu bieten – die Rasur wird damit leichter und gründlicher.

Die Klinge des Nassrasierers sollte im 30-Grad-Winkel zur Haut stehen, bei Systemrasierern musst Du darauf jedoch nicht gesondert achten. Hier ist auch ein wenig mehr Druck erlaubt, was sich bei der Rasur mit dem Rasierhobel aber sehr schnell rächen kann. (Hier sollten das Gewicht des Rasierers und die Schärfe der Klinge ausreichen, um ohne jeglichen Druck gründlich zu schneiden.) Zudem solltest Du im besten Fall nicht mehrfach über dieselbe Stelle rasieren und wenn, dann nur nach nochmaligem Einschäumen der Partie.

Der optimale Winkel bei der Hobelrasur / "Riding the cap"

Wenn Du unsicher bist, ob Du im optimalen Winkel rasierst (was beim Hobel, Rasurmesser oder der Shavette im Gegensatz zum Systemrasierer erhebliche Unterschiede macht), versuche folgendes: Lege den Hobel im 90-Grad-Winkel an Deine Wange an, so dass nur die Kopfplatte und nicht die Klinge Deine Haut berührt. Jetzt ziehst Du den Hobel ganz langsam abwärts und verkleinerst dabei den Winkel, indem Du den Hobel in Richtung Wange kippst, bis die Klinge Kontakt mit Deinem Barthaar bekommt und schneidet. Bleibe für die gesamte Rasur bei diesem Winkel. Passiert gefühlt zu wenig, also werden kaum Barthaare abgetragen, kannst Du den Winkel weiter verkleinern und schauen, ob es dann gründlicher oder doch eher rupfiger wird.

Die Amerikaner nennen dieses Vorgehen übrigens "riding the cap" – der Winkel der Klinge wird so flach gewählt, dass die Kopfplatte des Hobels die Haut beim Rasieren noch berührt. Je steiler der Winkel, desto stärker kratzt oder schabt die Klinge über die Haut. Ziel sollte es jedoch sein, das Haar zu kappen, also so flach und dicht an der Haut wie möglich abzuschneiden.

Und immer daran denken, vor allem bei dieser Technik: Keinen Druck ausüben oder versuchen, einen zu flachen Winkel über mehr Druck auszugleichen. Ziehe den Hobel einfach über die Barthaare, das Eigengewicht des Kopfes reicht auch bei flachem Winkel bzw. der Riding-The-Cap-Technik aus. Wenn es hierbei holpert, arbeite an der Gleitfähigkeit Deines Schaums oder checke die Schärfe Deiner Klinge.

Zweiter Durchgang: Quer zum Strich rasieren

Nach dem ersten Durchgang wird die Klinge ausgespült und von Haaren befreit, das Gesicht wird nochmal kurz eingeschäumt – vorher ggf. nochmal mit etwas Wasser oder Seife den Schaum nachoptimieren und dann geht es im zweiten Durchgang quer zum Strich weiter. Damit erwischst Du auch Haare, die im ersten Durchgang nicht oder nur zum Teil mitgenommen wurden.

Dritter Durchgang: Gegen den Strich rasieren – aber nur, wer es verträgt

Falls das Ergebnis nach zwei Durchgängen mit und quer zur Wuchsrichtung noch nicht Deinen Ansprüchen an eine gründliche Nassrasur genügt, kannst Du abschließend einen dritten Durchgang gegen den Strich führen – das muss aber nicht sein.

Zum einen können je nach Bartwuchs und Hautempfindlichkeit bereits zwei Durchgänge völlig ausreichend sein und ein Rasierdurchgang gegen die Haarwuchsrichtung würde die Haut nur unnötig mehr reizen und die Gefahr für Hautirritationen wie Pickelchen, Rasurbrand oder eingewachsene Haare deutlich erhöhen.

Zum anderen erfordert die Nassrasur gegen den Strich schon etwas Übung und Gewöhnung, weil es die Haut von allen Varianten am stärksten reizt. Aus diesem Grund verzichten viele auch komplett auf das Gegen-den-Strich-Rasieren und gehen im dritten Durchgang nochmal von der anderen Seite quer zum Strich oder machen zwei Rasierdurchgänge nur mit dem Strich.

Das Ziel der Nassrasur ist eine sanfte Bart-Reduktion

Vor allem Anfänger sollten mehr Wert auf eine schonende Rasur mit irritationsfreier Haut legen, als auf ein babypopoglattes Ergebnis. Denn wie bei allen Dingen gilt auch bei der Nassrasur: Übung macht den Meister! Mit Gewöhnung der Haut, der immer sicherer werdenden Führung des Rasierers auch über schwierige Stellen im Gesicht und der richtigen Schaumkonsistenz werden Deine Rasurergebnisse immer besser werden, bei gleichzeitig angenehmerer weil reizärmer ausgeführter Rasur.

Schritt 4: Pflege und After Shave

Am Ende der Rasur wird das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen, damit sich die Poren schnell schließen, und mit einem sauberen Handtuch vorsichtig trocken getupft.

Zur Nachbereitung verwende ich stets ein After Shave, um Entzündungen vorzubeugen. Es gibt sehr gute Rasierwasser, die nicht nur gut duften und kleine Wunden desinfizieren, sondern auch pflegende Zusätze wie Hamamelis oder Salbei enthalten, die der Haut beim Entspannen helfen, die Poren reinigen und durch adstringierende Wirkung (wenn Aluminiumsalze enthalten sind) kleine Blutungen stoppen.

In der Regel trage ich zur Pflege der Haut kurze Zeit später noch ein After Shave Balsam auf, das komplett ohne Alkohol auskommt und die von der Rasur strapazierte Haut mit Feuchtigkeit versorgt. After Shave Balsame oder Lotions schützen vor dem Austrocknen und beseitigen jedes Spannungsgefühl – auch wenn man mal ein After Shave verwendet hat, das mehr Alkohol als pflegende Substanzen enthält.

Ist eine Nassrasur doch einmal ungewohnt ruppig verlaufen und Rötungen samt einem Gefühl von Brennen halten über längere Zeit an, spricht man von Rasurbrand. Hier helfen Dir nur Ruhe und Pflege der Haut sowie der prüfende Blick auf Deine Vorbereitung, Technik und die verwendeten Produkte. Nicht jeder verträgt von Anfang an die Rasur gegen den Strich, alkoholhaltige After Shaves oder Mehrklingen-Rasierer. Allergiker können auch auf Substanzen in Seifen oder Cremes empfindlich reagieren, hier ist der Wechsel zu einem anderen Produkt oder Weglassen manchmal schon die Lösung.

Ansonsten gilt nach der Nassrasur stets: Hände aus dem Gesicht! Die Haut muss sich erholen, und das klappt am besten, wenn man sie nicht gleich wieder mit Bakterien verunreinigt.

In diesem YouTube-Video erklärt Nic Shaves sehr anschaulich und gut, wie man sich mit einem Hobel rasiert:

Mehr Druck für mehr Gründlichkeit?

Es gibt immer ein paar Stellen im Gesicht, an denen die klassischen zwei bis drei Durchgänge nicht ausreichen, um ein rundum glattes Rasurergebnis zu bekommen. Anfänger begehen dabei oft den Fehler, dass sie es mit mehr Druck versuchen, den Rasierer während der Züge also stärker aufdrücken – und damit lediglich das Risiko für Hautreizungen oder Rasurbrand vergrößern: Bei Druck wird die Klinge nur stärker in die Haut hinein gepresst, die man dann unweigerlich mit absäbelt.

Die Gründlichkeit bei der Rasur entsteht aber nicht dadurch, dass man das Haar mechanisch aus der Haut herausdrückt oder die Haut drumherum herunterdrückt – das ist schlicht nicht möglich. Gründlichkeit entsteht dadurch, dass man das Haar möglichst nah an der Haut abschneidet. Dafür ist es hilfreich, die Haut zu straffen, wie in Schritt 3 oben beschrieben. Oder man wendet eine der Rasurtechniken der Profis an, die sich zu dem Thema in Fachforen wie nassrasur.com, gut-rasiert.de oder badgerandblade.com/forum austauschen und dort ihre Erfahrungen posten.

Aus diesen Foren habe ich auch die folgenden Tipps mitgenommen, wobei die geschilderten Techniken offenbar erstmals von amerikanischen Nassrasur-Afficionados erprobt wurden, da sie so schöne Namen tragen wie "Bullfrogging" oder "J-hooking" ...

Gillette Slide, Blade Buffing, J-hooking und Bullfrog – Rasurtechniken für hartnäckige Stellen

Wenn nach ansonsten planmäßig verlaufenen Rasuren immer noch ein paar Haare stehen bleiben, versuche es an diesen hartnäckigen Stellen mit den folgenden Techniken der Pros. Sei dabei aber vorsichtig, nicht umsonst werden diese Techniken für Fortgeschrittene empfohlen, die schon Übung im Umgang mit ihrem Hobel, Rasierer oder Messer haben:

Den Hobel schräg ziehen: Der Gillette Slide

Beim Gillette Slide bzw. Schrägziehen wird der Rasierer nicht nur gerade in Rasurrichtung gezogen, sondern dabei gleichzeitig horizontal versetzt. Da man sich dabei leicht schneiden kann, sollten sich jedoch nur erfahrene Nassrasierer an diese Methode wagen, die von Gillette selbst auf den Beipackzetteln ihrer Hobel empfohlen wurde. In diesem Video zu Rasiertechniken für Fortgeschrittene zeigt der YouTuber Mantic59, wie der Gillette Slide und weitere Techniken in der Praxis umgesetzt werden:

Blade Buffing – "Polieren" mit der Klinge

Beim Blade Buffing geht man mit dem Rasierer in mehreren kurzen, schnellen Zügen über dieselbe Stelle vor und zurück – in etwa so, als würde man mit der Klinge die Haut polieren wollen, woher wohl auch der Name stammt. 

Natürlich sollte man beim Blade Buffing keinen Druck aufwenden und besonders darauf achten, immer etwas gleitfähigen Schaum unter der Klinge zu haben, um die Haut nicht unnötig zu reizen – im Idealfall geschieht dies automatisch beim Zurückziehen der Klinge. Dennoch wird die stärkere Beanspruchung der Haut bei dieser Technik bewusst in Kauf genommen, um ein gründlicheres Ergebnis zu erzielen. Hier zeigt Mantic59, wie man die Technik anwendet.

J-hooking: Mit dem Rasierer einen Haken schlagen

Der J-Hook beschreibt die Form, die der Rasierer auf der Haut zieht, um am Ende des Zuges durch den geschwungenen Richtungswechsel auch hartnäckige Haare zu entfernen – eine Gerade, die in einem Bogen ausläuft, so wie der Buchstabe J.

Ich setze das J-hooking gerne am Hals ein: Ich beginne den Zug mit dem Strich, gehe am Ende aber innerhalb desselben Zuges kurz gegen den Strich, fahre also eine Kurve mit dem Hobel und ende so parallel auf der Gegengeraden. Auf diese Weise reduziere ich das Rasieren gegen den Strich auf ein absolutes Minimum nur an wirklich widerspenstigen Stellen. Auch diese Technik wird sehr anschaulich im oben genannten Video gezeigt.

Bullfrogging – Den Hals aufblähen wie ein Ochsenfrosch

Das Bullfrogging setze ich gerne an der Kinnpartie ein, einer ansonsten ja relativ schwer zu rasierenden Kante: Ich bilde ein leichtes Doppelkinn, indem ich einfach nur den Kopf etwas senke, und erreiche auf diese Weise eine relativ glatte Oberfläche zwischen Kiefer und Hals, die sich leicht rasieren lässt. 

Wer Probleme hat mit der Rasur zwischen Kinn- und Halspartie, sollte diese "Froschtechnik" einfach mal ausprobieren – da Bullfrogging sich auf die Kopfhaltung und nicht die Rasiererhaltung bezieht, kann im Vergleich zu den vorherigen Techniken eigentlich nichts schief gehen.

Im Video von The Shaving Cadre werden alle diese vorgestellten Techniken gezeigt:

 

Persönliche Produkttipps für die Nassrasur

Zum Abschluss ein paar Produkte, die ich nach wie vor gerne verwende und die ich als Basis-Ausstattung auch Anfängern der Nassrasur sehr empfehlen kann:

Rasierhobel: Merkur 34c
Rasierklinge: Voskhod Teflon Coated
Rasierpinsel: Mühle Traditional
Pre Shave: Proraso Pre-Shave Cream Sensitive Skin
Rasierseife: Tabac Original
After Shave: Speick Men Active After Shave Lotion
After Shave Balsam: Speick Men After Shave Balsam Sensitiv

Ich probiere hier auch immer gerne neue Dinge aus oder versuche zu optimieren. Vielleicht schreibe ich in einem anderen Beitrag mal etwas gezielter über meine Erfahrungen mit verschiedenen Seifen, Cremes, Klingen, Hobeln, Düften oder Pflegeprodukten. Denn wie ich eingangs schon schrieb: Ich nehme mir gerne die Zeit für eine sorgfältige Nassrasur, weil mich die Prozedur entspannt und das gepflegte Ergebnis einfach Spaß macht.

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