Lifetime Abos sorgen schnell mal für Frust

Warum Du nie ein Lifetime-Abo abschließen solltest

Zeug

Ich wollte mich für ewig binden: Das erste Mal war es eine Software, das zweite Mal eine App. Einen knapp dreistelligen Betrag habe ich investiert, um fortan alle Updates, alle zukünftigen Versionen nutzen zu können, ohne jemals wieder Geld dafür zu zahlen – Lifetime-Abo oder auch Abo auf Lebenszeit nennt man das. Ich dachte, so könnte ich auf längere Sicht Geld sparen und es wäre ein guter Deal. War es auch – nur nicht für mich.

Eine Wette auf die Zukunft

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Motorrad-Routenplaner für mein Handy. Dabei stolperte ich über die Fahrrad- und Wander-App Komoot. Im Rennrad-Modus wurden auch meine Anforderungen an eine Motorradstrecke erfüllt: Schöne Landschaften und alternative Strecken, ohne dass es gleich über'n Acker gehen muss, keine Kraftfahrstraßen oder Autobahnen.

Mangels App-Alternativen und nach gelungenem Praxis-Test entschied ich mich für das Komplett-Paket: "Einmal zahlen. Keine Grenzen. Für immer deins." Ich schrieb ins Anbieter-Forum, dass ich mir eine echte Motorrad-Strecken-Funktion wünsche – in der Hoffnung, als Lifetime Abonnent eines Tages von diesem Feature profitieren zu können.

Ein Jahr später kam Navigon mit der Cruiser-App für Motorradfahrer raus, die heute alle meine Wünsche erfüllt. Und ein paar Monate weiter brachte Calimoto seine Motorradnavigation auch auf mein Smartphone-Modell. Und ich? Sitze auf dem Lifetime-Abo für Komoot, eine App ohne Motorrad-Unterstützung. Rennrad-Modus my ass.

"Wir haben unsere Produkt-Strategie geändert"

Vor ein paar Wochen dann noch das: Um die Software für dieses Blog upzudaten, wollte ich mich bei meinem Template-Anbieter einloggen. Nach dem dritten Fehlversuch fiel mir ein kleiner Hinweis auf: "Als alter Kunde schauen Sie bitte hier ...", und ich erfuhr so nebenbei, dass die Firma mittlerweile aufgekauft wurde und das Produkt so nicht mehr fortgeführt wird. Meinen Zugang könnte ich wieder haben, mein vor Jahren abgeschlossenes Lifetime-Abo aber gäbe es nicht mehr ... so sorry.

Lebenslanges Abo – Der Kunde trägt das Risiko

Natürlich bin ich selbst Schuld. Anstatt mein Geld für eine App auszugeben, die nicht für meine Zwecke entwickelt worden ist, hätte ich mal besser gewartet. Kommt nicht jeden Monat irgendeine neue App raus? Und warum gleich das größte Paket buchen?

Und natürlich weiß ich auch, dass Firmen aufgekauft werden, insolvent gehen oder auch einfach nur ihre Strategie ändern können ... und man daher keine Wette auf ihre Produkttreue abschließen sollte. Nichts anderes aber ist ein Lifetime-Abo, ein zumeist teuer erkaufter Schein-Vorteil für den Kunden, der am Ende keine Handhabe hat: Endet das Produkt, endet das Abo. Eigentlich logisch ... und ziemlich ernüchternd.

... und nochmal nachgetreten

navigon cruiser info

Nachtrag: Ironie des Schicksals – die Cruiser-App für Motorradfahrer, die ich eingangs erwähnt habe, wird eingestellt:
"Aus strategischen Gründen hat Garmin nun beschlossen, alle Navigations-Apps ab dem 14. Mai 2018 mit wenigen Ausnahmen vom Markt zu nehmen."

Natürlich habe ich mir damals das Paket mit "unbegrenzter Navigation" gekauft ... 

Danke, ich hab's verstanden. Wirklich jetzt.

Schlagworte: motorrad software apps