CD-Regal

Warum ich Spotify Premium gekündigt habe

Musik

Einen Dienst wie Spotify habe ich mir immer gewünscht: "Höre die passende Musik, wo immer Du gerade bist" – dieses Versprechen halten die Schweden. Mit Premium-Account sogar offline, für 10 Euro im Monat gibt's Zugriff auf den kompletten Backkatalog fast all meiner Lieblingsbands sowie Alben, in die ich schon immer mal reinhören wollte. Zudem ist der Dienst sehr nützlich, wenn man in der Historie einer Band stöbern möchte. 90 Prozent meiner Faves sind vertreten, die Majorlabels, die Indies, und jeden Tag werden es mehr. Eigentlich perfekt ... wenn nur die Musik dabei nicht so beliebig würde.


Ich bin komplett auf die Premium-Version von Spotify umgestiegen und liebe diesen Streamingdienst. Eine CD habe ich schon seit Jahren nicht mehr gekauft und werde das auch nie wieder tun. Ich empfinde keinerlei Bedürfnis mehr, eine CD oder eine Schallplatte zu besitzen. Ich liebe Spotify, weil mir dieser Dienst nur einen Klick entfernt die gesamte aufgenommene Musikgeschichte jederzeit zur Verfügung stellt. […] Die meisten meiner CDs habe ich verkauft. In meinen Augen sind das nur noch Staubfänger. Rob Flynn im "Rock Hard", Ausgabe 330, November 2014

Wie Rob Flynn, Bandkopf der im Metalbereich extrem erfolgreichen MACHINE HEAD, denken nicht wenige aus meinem Bekanntenkreis – dabei hat er mich als Profimusiker mit seiner Aussage doch überrascht. Schließlich laufen viele Musiker Sturm gegen Spotify, kleine Künstler wie große, von RADIOHEAD bis zuletzt TAYLOR SWIFT, selbst GRÖNEMEYER fühlt sich mies bezahlt. Offenbar kein Problem für Flynn, der sein letztes Album trotz aller Abgesänge auf hergebrachte Tonträger phänomenal erfolgreich unter's Volk brachte. Aber was will ein Musiker auf Tour auch mit einer CD-Sammlung im Gepäck ...

Beim Streaming leidet die Qualität

Und was ist mit der Musikqualität? Es ist ein Unterschied, ob ich ein Signal durchs WLAN schleuse oder eine CD in einer gutklassigen Anlage rotieren lasse – der Sound klingt druckvoller, dynamischer und frischer, zumindest in meinen Ohren. In diesem Zusammenhang finde ich die Aussage von Mastering Engineer Ryan Smith interessant, der in einem "Wired"-Interview sagt:

Zu hören, wie der Sound heute beschnitten und komprimiert wurde, macht mich wahnsinnig! YouTube und Spotify klingen einfach nicht gut. 
- Ryan Smith 

Nicht gut auf der Wohnzimmeranlage, sollte man vielleicht hinzufügen – unterwegs mit MP3-Player und Kopfhörern höre ich bei einer Bitrate von 320 kbit/s auch keinen Unterschied mehr zu einer Platte.

Musik wie Fast Food – und das auch nur geliehen

Letztlich habe ich mein Spotify-Premium-Abo jedoch nicht gekündigt, weil sich Künstler von dem Dienst ausgebeutet fühlen oder weil ich mich mit der Soundqualität zu Hause nicht begnügen wollte. Der Hauptgrund war ein ganz persönlicher: Das schiere Überangebot hat die Musik, das einzelne Album, den einzelnen Song für mich abgewertet. Ich hatte das Gefühl, die Palette nur dann voll auszuschöpfen, wenn ich möglichst viel konsumiere, regelmäßig den Künstler wechsle, von Album zu Album skippe. Kurz reingehört, für nett befunden, vielleicht in eine Playlist gezogen ... und auf zum nächsten Album, zwei Klicks weiter, ist schließlich auch gerade erst veröffentlicht worden. Musik wie Fast Food, ähnlich dem Scrollen durch Facebookpostings, auf der Suche nach etwas, was noch besser, irgendwie interessanter, relevanter ist als das Vorherige.

Ich kaufe seit rund 25 Jahren CDs, weil ich es genieße, mit dem Booklet in der Hand genau hinzuhören. Meinen Lieblingsbands bleibe ich treu, auch über schwächere Alben hinweg, und ich erschließe mir gerne Scheiben, besonders die anfangs sperrigen, denn es lohnt sich fast immer. Ich höre sie immer wieder, zu Hause, unterwegs ... Wenn es dann "Klick" macht, habe ich das Gefühl, einen musikalischen Schatz gefunden zu haben – den ich bei Spotify vielleicht entdecken, aber niemals heben würde. Und selbst wenn, der Schatz bei Spotify gehört nie mir, er wurde mir nur geliehen. Und das reicht mir einfach nicht.

Nachtrag: Mittlerweile wurden Details aus einer nicht öffentlich zugänglichen Studie bekannt, die sich mit der Verteilung der Einnahmen aus einem Streaming-Premium-Abo beschäftigt. Demnach erhalten die Labels 45,5 Prozent, lediglich ein Anteil von 6,8 Prozent geht an die Künstler, die damit in diesem Spiel wie erwartet am schlechtesten aussehen.

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